29.01.2026

Wenn ein Kardinal nicht mehr zuhört
Kardinal Woelki erklärt den synodalen Weg für beendet. Nicht, weil die Krise der Kirche überwunden wäre. Nicht, weil Vertrauen zurückgewonnen wurde. Sondern weil ihm der Dialog offenbar zu unbequem geworden ist. Diese Entscheidung ist kein Akt der Klarheit – sie ist ein Akt der Verweigerung.
Wer heute den synodalen Weg verlässt, verlässt Menschen. Er verlässt jene, die verletzt wurden und trotzdem geblieben sind. Er verlässt jene, die auf Aufarbeitung, auf Veränderung, auf eine Kirche hoffen, die endlich zuhört, statt sich hinter Mauern aus Macht und Dogma zu verschanzen. Gerade nach dem Missbrauchsskandal ist Schweigen, Abwenden und Abgrenzen keine Option mehr. Und doch genau das geschieht.
Woelki sendet damit eine erschütternde Botschaft: Eure Stimmen sind verzichtbar. Eure Fragen sind lästig. Eure Hoffnungen stehen unter Vorbehalt römischer Genehmigung. Das ist keine geistliche Führung, das ist kalte Verwaltung von Autorität. Wer so handelt, hat die Wucht der Vertrauenskrise entweder nicht verstanden – oder er nimmt sie bewusst in Kauf.
Es schmerzt zu sehen, wie ein Kardinal, der selbst im Zentrum massiver Kritik stand, den einen Prozess verlässt, der überhaupt noch die Chance bot, verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Demut würde bedeuten zu bleiben. Sich auszuhalten. Widerspruch zu ertragen. Verantwortung zu teilen. Stattdessen wird die Tür zugeschlagen – und mit ihr die Hoffnung vieler Gläubiger.
Der synodale Weg ist unbequem, ja. Er ist konfliktreich, manchmal unerquicklich, manchmal unerquicklich ehrlich. Aber genau darin liegt seine Wahrheit. Kirche, die keine Konflikte mehr aushält, hat aufgehört, Kirche der Menschen zu sein. Sie wird zu einer Institution, die sich selbst schützt – und dabei ihre Seele verliert.
Kardinal Woelki sagt, für ihn sei dieser Weg beendet. Für viele andere endet damit etwas ganz anderes: die Geduld. Das Vertrauen. Und vielleicht der letzte Grund, noch zu bleiben.

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